0711milehighgravelclub

Nach Jahren in Biarritz, schönen Straßen und vielen Kilometern in der Hitze des Asphalts war es Zeit für neue Abenteuer. Auf der Rückfahrt vom Wheels and Waves wurde die Idee geboren mal losen Untergrund zu probieren. Was der Milehighclub ist kann jetzt jeder selber googeln, aber bei uns kommt man öfter und länger über eine Meile hoch.

Natürlich nicht mit scheckheftgepflegten, griffbeheizten BMW GS, sondern auf möglichst altem Gerät. Genug solvente Teilnehmer voller Tatendrang waren schnell gefunden und von Bultaco bis Yamaha war altes Gerät am Start.

Natürlich übt man vorher heimlich auf lokalen Wald und Wiesen. Und wenn man richtig übt, übersieht man vier Wochen vor Abfahrt einen Graben, bricht sich das Handgelenk und hatte noch Glück dabei. So ist das wenn knallharte Erfahrung auf kleine Gräben trifft – oder andersrum.

Getrailert wurde über Nacht und durch Unwetter in die Nähe von Bardoneccia zu einer Berghütte, die nur mit den Mopeds und dem T3 Syncro zu erreichen war. Das haben wir glücklicherweise erst vor Ort bemerkt – da spart man sich unnötigen Hirnschmalz im Vorfeld. Also 84 Zarges Kisten umpacken, Motorräder abladen, Anhänger und Autos im Tal lassen. Nächsten mal dürfen keine kompletten Motoren als Ersatz in den Kisten mitgenommen werden – auch wenn man katalanische Fremdfabrikate zur Waffe der Wahl erklärt. Auf der Hütte war damit die letzte Endurofachwerkstatt vor dem Gipfelkreuz eingerichtet. Die Touren der Nähe sind die Assieta Hochstrasse, Col de Sommeiller, Col de Jafferau und kleine Pisten dazwischen – alle miteinander supergut.

Auf jedem Gipfel, der mit vorwiegend blauer Fahne bezwungen wurde fühlten wir uns wie die Erstbesteiger – die Blicke der Fahrer von GS und Artverwandten gaben uns Recht. Alles machbar. Ohne Sprechfunk, ohne beheizte Unterwäsche, ohne Können. Das Wetter hat uns in die Karten gespielt und die Defekte hielten sich in Grenzen – trotzdem haben wir Schmieden im Pelletofen geprobt und zwei Bier pro Person getrunken. Steckschlüssel sind super Kupplungshebel und ein bisschen Kabel fixiert bis heute die Einstellschraube eines Lenkkopflagers. Wenn das der TÜV sieht gibt’s Hausverbot.

Eigentlich darf man es keinem verraten, da auch im Piemont das freie Endurofahren umstritten ist, aber sei’s drum: Hin da und nicht abschrecken lassen von Forumseinträgen die sagen, dass es schwer ist. Anstregend isses und staubig. Dafür gibts Bremsenreiniger und Dosenbier. Und Staub im Bart ist eh der Inbegriff von Abenteuer!

 

Roadtrip zum Wheels and Waves 2013

Unsere Reisegruppe im Alter von 117 Jahren (Fahrzeuge)  beziehungsweise 109 Jahren (Fahrer) auf dem Weg nach Biarritz. Nur Landstrassen, ein Atlas von 1987, keine Navis, Öl, Werkzeug und ein Zelt. Die Reise schenkte uns eine defekte Zündung, einen defekten Anlasser und diverse Servicearbeiten in der Pampa. Ein Roadtrip so rund wie unsere Räder. 3732 Kilometer Freiheit.