Wie kommt man am zuverlässigsten und schnellsten nach Südfrankreich? Bei Regenwetter und 5-15°C? Stimmt, ganz klar, mit einem 40 Jahre alten Zwotakter für den es noch nichtmal zu Hause ausreichend Ersatzteile gibt. Also – Packtaschen besorgt, Halterung gebaut, Dachgepäckträger (Originalteil) angeschraubt, beladen* und Abfahrt.

*Ladeliste: Zelt, Isomatte, Schlafsack, Werkzeug, 5Liter Motul 7100 2T, Badehose, Flipflops, Handtuch, 2 T-Shirt, 5 Unterhosen, 1 Jeans, 5 Paar Socken, 1 Kondom Naviregenschutz, 1 Vollgasfixierungskabelbinder. 0 Ersatzteile.

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Packesel Maico MD250

Dienstag Morgen 7 Uhr – Das Wetter im Süden Deutschlands zeigt sich mal wieder von seiner angenehmsten Seite. Drei Tage vor Abreisedatum steht ganz Schwäbisch Gmünd 1.5m unter Wasser, wir planen Motorradtouren. Kommentar von Ungläubigen (nicht Motorradfahrer): „Du bisch doch et ganz sauber“. Sauber war der Reiter spätestens 20km nach Tourstart und dem ersten Regenguss. Naja einmal nass, beginnt der Spass und wir sind ja nicht aus Wasserfarbe.

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Kaltes Buffet – es ist angerichtet

Der erste Tag von Stuttgart nach, ins 400km entfernte, Champagnole führt uns durch den altbekannten Schwarzwald bis in die Rheinebene und von dort aus, die Schweiz und die Alpen links liegen lassend bis auf Höhe des Neuchateler Sees. Eigentlich war Genf angedacht aber zu langsam ist zu langsam und das Wetter war in der Schweiz dank Berge noch beschissener als in Frankreich. Zeltplatz angefahren, Zelt aufgebaut, das homo Packtaschenensemble im Zelt entsorgt und einkaufen gefahren.

 

 

Pass in den Wolken
Pass in den Wolken

Tag zwei begrüßte uns mit Nieselregen und dicken, tief hängenden, schwarzen Wolken. Es ging entlang der Rôhne Alpen bis in die wunderschöne Stadt „Die“ am Fuße des Col de Rousette, an dessem Pass die ersten BMW K1200 Fahrer komische Augen machten und die Nase rümpften, in Anbetracht der blauen Nebelwolke, die diesmal nicht aus Wasser, sondern aus verbranntem, wunderbar duftenden, Motul 7100 2T Öl bestand. Vollgas ging es Abwärts auf einer der schönsten Straßen überhaupt – der D518 – die uns nach dem Passtunnel mit wärmenden Sonnenschein empfing. Dem Wetter entsprechend war das Aufbauen des Zeltes und Nachstellen der Trommelbremsen am Abend wirklich ein Kinderspiel.

Mont Aigoual bei Sonnenschein
Mont Aigoual bei Sonnenschein

Nach dem frühen Aufstehen und Zelt abbrechen ging es weiter Richtung Tankstelle. Tankfüllung Nr. 9 oder 10 wollte in den Tank. (Hierzu sollte man erwähnen dass nach 110km die Reserve des 12.5liter Tanks beginnt. An diesem Zeitpunkt sind ca 6.5 bis 8liter Kraftstoff verbraucht. Woher die Schwankung von 1.5litern kommt ist mir unerklärlich da der Gasgriffel zu 96,29% eh auf Dauervollgas hängt.) Kurz noch die nächsten Wegpunkte ins Navi gehackt und ab gings Richtung Westen. Kurz das Rhônetal durchquert und ab ins Zentralmassiv. Guter Plan dachten wir uns, war er auch – nur das Wetter nicht. Ab 1000m Höhe stand bzw. fuhr Mann und Moped permanent im Nebel bzw.

Zelten im Quakerstate
Zelten im Quakerstate

Regen. Somit wurde die Fahrt über die zum Teil frisch geschotterten Straßen zum Husarenritt. Naja trotz rummemmen ging es Aufwärts auf 1500m – den Mont Aigoual, oder auch Liebevoll Wasserberg. Die Abfahrt wurde zur kleinen Torture, da die Straße ungefähr mit 0.02% Gefälle am Kamm entlang Richtung wärmenden und trockenen Tal verlief. Somit immer die Sonne im Blick aber schier unerreichbar, froren wir uns die Finger gen Tal. Unten angekommen war der mini Casino in Ceilhes-et-Rocozels natürlich schon geschlossen, so dass ich mich mit drei Scheiben Salami und zwei Schnitz Käse vom Vortag für den Abend zufrieden geben musste. Als ausgleich dafür hat mich die extrem paarungswillige Froschkolonie am Lac der sich direkt am Camping Municipal, oder andersherum, befindet die ganze Nacht durch ihr konsequentes und durchaus nervtötendes gequake wach gehalten.

 

Zicke sagt: Zwangspause
Zicke sagt: Zwangspause

Als es dann an Tag 4 endlich hell wurde hatte ich genug vom gequake und rüstete das gelbe Kampfross zur nächsten Etappe, die uns über Carcassone an den Pyrenäen entlang Richtung Lourdes führte. Irgendwo in der nähe von Laucane trafen wir wieder auf eine BMW K1200 Gruppe (bei der Pause – sonst ja auch nur im Stand bewunderbar), welche unseren Auftritt mit Vollbepackungsschräglage und Vollgaszweitaktwolke (Formelzeichen: v²) aber geiler fand, als die letzte Rentnergruppe und dies auch lautstark kund tat.  Das Wetter war leider immer noch nicht besser, so dass ich den Fehler vom Vortag nicht wiederholte, in die höheren Regionen zu fahren, was leider dazu führte, dass wir an diesem Tag keinen einzigen richtigen Pass gefahren sind. Mutti war schon ganz zickig, dass sie zu wenige Schaltvorgänge ausführen musste, und quittierte kurzerhand den Dienst.

Nach kurzem fluchen und verzweifeltem „scheissescheissescheisseichwillnichtmitdemadacnachhause“ ins Visier brüllen machte sich der mutige Mechaniker auf die Suche der Ursache der Schaltfaulheit. Sechsgangziehkeilgetriebe wollen Liebe. Am besten ganz viel davon, sonst mögen sie nicht wie der Reiter. Nach kurzer Diagnose wurde also festgestellt, dass der Schaltpilz trotz Kontermutter und Chemischer-Schraubensicherung seine Position verlassen hatte und somit Wahlweise ein Gang oder Keingang ausgewählt aber nicht eingelegt war. Easy fix – neu justiert, wieder Aufgesattelt und mit einigem Respekt ans Ende der Etappe gerödelt.

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Das Ziel fest im Blick wurde an Tag 5 aufgesattelt. Gasgriff mit Kabelbinder auf Vollgasposition fixiert und Abfahrt. Ein paar Pilgerer wollten mich in Lourdes von meinem gelben Rennrad werfen, möglicherweise dachten Sie ich sei eine Erscheinung, als ich wie ein gelber Blitz durch die Innenstadt schoss. Aber dank Kabelbindervollgasfixierung konnte das Gelbeblitzgespann den wildgewordenen Wallfahrern entkommen und sich Richtung Biarritz absetzen. Die letzten Kilometer waren schon fast altbekannte (Ja servus Kurt, alles klar? Fit? Ja klar! Und selbst?), die der Reiter nach einigen Touren im Baskenland schon von eben diesen bereits kannte oder ihm bekannt vorkamen.

 

PhallusPhare
PhallusPhare

Bei Ankunft – Bier. Da nicht nur die Maschine (der geölte Blitz) sondern auch der Reiter gut geschmiert werden wollen, wurde bei Ankunft von den jubelnden Massen (haha) erstmal ein kühles fränkisches Bier kredenzt, um den Vitaminhaushalt der nach 5 Tagen Mangelernährung wieder auf Vordermann zu bringen. Nachdem die erste Baustellenhalbe dann vernichtet war wurde der geölte Blitz erstmal wieder in Heterostatus zurückgerüstet (Homodachgepäckträger und Packtaschen entfernt) um aus dem Homohobel wieder ein ansehnliches Fahrzeug zu machen. Zwei Dosen Bremsenreiniger (Dosenbier für Motorräder) später war die Kleine sogar wieder sauber und man konnte sich Richtung Phare zum posen begeben.

Fazit: 2000km (1925,8 davon Vollgas), 20mal Tanken (5mal pro Tag), ~150l Super, 3 liter Motul 7100 2t Öl und unfassbar viel Spaß! Achso, Wheels and Waves war übrigens auch super! 😉